Compliance beginnt beim Erstkontakt
oder das Ende des Ärzte-Hoppings

"Ich trage Geld zu meinem Arzt", sagt ein Privatpatient. "Da kann ich wohl Service erwarten! Die Zeiten, in denen Patienten Bittsteller sind und mal kurz für eine Stunde oder länger Platz nehmen dürfen, die sind doch längst vorbei! Zeit ist Geld. Wenn man mir sagt, es dauert zehn Minuten, und der Arzt kommt dann endlich nach einer guten halben Stunde, dann erwarte ich zumindest eine Entschuldigung! Und ich will genau wissen, was mit mir passiert! Blindes Vertrauen? Das ist von gestern. Dafür liest man doch viel zu viel in der Zeitung!"Ein Einzelfall? Sicher, die Menschen sind verschieden. Es gibt kleine und große gesundheitliche Probleme. Es gibt informierte und weniger informierte Patienten. Es gibt Anspruchsvolle und Hinnehmer. Was aber jeder Patient sehr zu schätzen weiß, ist das Gefühl, man kümmert sich um ihn, man versteht ihn und denkt für ihn mit. Viele Patienten verrieten uns, dass sie auch zu einem Heilpraktiker oder sogar zu spirituellen Beratern gehen, weil diese viel mehr Fragen stellen, sich für Patient und Mensch interessieren, tatsächlich noch Gespräche führen. Viele der modernen Patienten haben Bücher wie Schicksal als Chance gelesen und begreifen, dass Krankheit auch etwas mit den eigenen Gedanken zu tun hat. "Die beste Medizin ist immer noch ein gutes Arztgespräch," meinte dazu eine Hautärztin nach einem Vortrag. Erhält der Patient nicht die erwartete und erhoffte Aufmerksamkeit, versteht er zudem nichts von den medizinischen Fachbegriffen, mit denen der Arzt aufwartet, trifft er beim Empfang auf abweisende Helferinnen, dann geht er zum nächsten Arzt: 'Ärzte-Hopping' auf der Suche nach Verständnis. Beim ersten Arzt hat er nichts begriffen; beim Zweiten einen blassen Schimmer erhalten, um was es sich handeln könnte; beim dritten ist er bestens informiert. "Wenn er nun schon meint, alles besser zu wissen, warum fragt er mich dann noch?" denkt dieser Arzt und der Konflikt ist vorprogrammiert.
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